· 

Yo Yo Yo - das erste Mal BLOG BLOG BLOG

Das sitz ich nun am Schreibtisch und versuche mich das erste Mal an einem Blogeintrag. Blog schreiben ist für mich mutig, ist für mein kleines Selbstbewusstsein eine genau schöne Herausforderung. Da ist dieser kreative mitteilsame Teil von mir, der gern erzählt und sich darauf freut, hier nette Geschichten zu erzählen. Und da ist dieser unsichere kleine Teufel, der auf meiner Schulter sitzt und mir immer wieder zuflüstert: wer will schon etwas von dir wissen, wer interessiert sich schon für dich, guck dir mal die an, die kann schreiben, aber du????

 

Wusch, weg mit dem Little-Devil, und ich nutze mal den Mut der Stunde.

 

Ich möchte heute ein paar grundlegenden Dinge zum Thema Yoga, warum Du Yoga üben solltest und warum Yoga auch dir gut tut, los werden. 

 

Yoga, so wie wir es heutzutage in der westlichen Welt kennen, ist grundsätzlich eine Art der körperlichen Betätigung. So gibt es körperliche Übungen und Haltungen, im Yoga Asanas genannt, die den Körper stärken, ihn beweglicher machen. Es gilt die Haltungen so einzunehmen, dass es für deine körperlichen Vorraussetzungen / deiner Anatomie entsprechend, gesundheitlich förderlich ist. Lass dich dabei nicht von den tollen Bildern in den Magazinen und im Internet irritieren. Es gibt Leute, die sind sehr beweglich, sehr sportlich, sehr kräftig, die vollbringen Wahnsinnsleistungen auf der Yogamatte und sehen dabei noch phantastisch aus. Aber das sind nicht wir, das ist nicht die Mehrheit, nein, das ist die Minderheit. So kannst du dich an den Bildchen erfreuen, solltest sie aber nicht zum Maßstab machen.

Die Yogis, die bei uns im Studio üben, die mit mir üben, die haben ihre Geschichte. Diese Geschichten, wie Unfälle und Verletzungen, einseitige Arbeit, große Belastungen im Hochleistungssport, dauerhafter Stress ...., sind nur ein Bruchteil von dem, was uns im Leben passieren kann. Es gibt wundervolle Dinge wie eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes, die den Körper fordern und beanspruchen, und natürlich Spuren hinterlassen. Und nichts anderes sind Narben, Verklemmungen, Verspannungen, Bewegungseinschränkungen durch Verletzungen / Verschleiß, es sind Spuren, die das Leben in unserem Körper hinterließ. Und so individuell wie wir leben, so individuell sind die Spuren, so individuell sind die Bedürfnisse der Yogis auf der Matte. Und es gilt, das Maximum an Wohlgefühl und Stärkung für dich selbst herauszuholen.

 

Das heißt im Klartext, das Asanas so eingenommen werden, wie es deine Anatomie zulässt, dass Hilfsmittel genutzt werden, dass vielleicht auch mal eine Haltungen für dich nicht möglich ist, und du eine Alternative übst. 

 

Diese sorgfältige Anleitung, diese Berücksichtigung individueller Bedürfnisse ist dir vielleicht auch aus anderen Bereich bekannt. Ein guter Pilates- oder Rückschullehrer sollte ebenfalls mit dieser Einstellung unterrichten. Das ist nicht das Besondere beim Yoga.

 

Das Besondere erklär ich dir jetzt, ich versuch mal den Zauber des Yogas zu verschriftlichen. Das ist schon gewagt, denn diesen Zauber kannst du eigentlich nur erfahren wenn du ihn erlebst.

 

So ist der Atem mit der wichtigste Bestandteil beim Yoga üben. Wir versuchen den Atem mit der Bewegung in den Einklang zu bringen. So wie ein Langstreckenläufer, der seine Schritte mit den Atemzügen verbindet, so üben wir Yoga. 

Und dies ist häufig die größte Herausforderung für den Yoga-Einsteiger. Zunächst mal den eigen Atem wahrzunehmen, Atemräume zu erspüren und zu erfahren, "wie und wohin atme ich". Und dies dann mit einer Bewegung zu verbinden. Und das Vertrackte ist ja dann noch, die Bewegung folgt dem Atem. das heißt, du beobachtest deinen Atem. Dein Einatem setzt ein, und du beginnst erst dann mit der Bewegung. Wenn du vollständig eingeatmet hast, endet die Bewegung. Du wartest auf den Austatem und folgst auch diesem mit der Bewegung.

Hört sich einfach an, oder? Du kannst es ganz leicht ausprobieren.

Stell dich doch mal aufrecht hin. Füße hüftbreit aufgestellt, Füße parallel, Beine stabil, Knie nicht durchgestreckt sondern mikrogebeugt, Oberkörper gerade und stabil, Schultern tief, Arme entspannt seitlich am Körper, Fingerspitzen zeigen zu den Füßen. 

Es geht nun darum, die Arme über die Seite nach oben zu heben, und sie dann wieder zu senken. Soweit zu heben wie es für dich möglich ist, und ggf. auch vor dem Körper anzuheben.

Probier das mal aus. Achtmal. Hebe achtmal die Arme an und senke sie achtmal wieder. Zähle dabei jedesmal mit. 

 

So, nun üben wir Yoga. Die gleiche Stellung, die gleiche Bewegung. der nur mit deinem Atem verbunden.

Beobachte für einen Moment deinen Atem, beobachte den Einatem, den Ausatem. Einfach nur dieses Kommen und Gehen des Atems für einige Atemzüge beobachten.

Und wenn dein nächster Einatem einsetzt, hebe deine Arme. Folge deinem Einatem und komm erst oben mit den Armen an wenn dein Einatem endet, warte hier auf deinen Ausatem und wenn dieser beginnt, beginne deine Arme zu senken. Und du solltest erst mit deinen Armen neben deinem Körper wieder ankommen wenn dein Ausatmen beendet ist.

Übe hier mit Geduld, vielleicht benötigt du einige Atemzüge um Atem und Bewegung in den Einklang zu bringen. Gib dir diese Zeit und wiederhole einige Male diese "einfache" Übung, viellicht gelingt es dir ja bei dieser Übung bis acht zu zählen. Das musst du aber nicht um den Unterschied zu spüren.

Und, wie geht es dir dabei. Wenn dein Atem und deine Bewegung verbunden sind. Da beginnt nämlich das achtsame Üben, das Wahrnehmen der eigenen Bewegung, des eigenen Atemflusses, da bist du mit deiner ganzen Aufmerksamkeit bei dir. Und genau dies ist diese Wohltat, das Exklusive beim Yoga üben. Deine ungeteilte Aufmerksamkeit ist bei dir, so kommt Ruhe in das Gedankenkarussell, so kommt Ruhe in den Geist.

 

Häufig funktioniert dies auch nicht in den ersten Stunden, manchmal gar nicht, manchmal nur zum Teil. Gib dir Zeit, geh mit Geduld ans Üben. Und du kannst diese Verbindung von Atem und Bewegung auch auf andere Bereiche übertragen.

Versuch mal im Einklang mit deinem Atem zu gehen, vielleicht zwei oder drei Schritte je Ein- und Ausatmung. Du hast Zeit und Muße, dann geh doch nur einen Schritt je Einatem / Ausatem. Schau dir eine Strecke aus, und am Ziel nimm wahr, wie es deinen Gedanken / deinem Geist geht.

 

Ja, und das ist Yoga. Es gibt unterschiedliche Ausrichtungen, dynamisch und statisch, unterschiedliche Bezeichnungen, doch letztlich wollen alle das Gleiche: Bewegung und Atem in den Einklang, und so den Geist zur Ruhe bringen.

 

Ich habe in den letzten Jahren erfahren, das dies eines des Grundbedürfnisse der heutigen Zeit geworden ist. Neben Nahrung und Schlaf bedarf der moderne Mensch der Ruhe und Entspannung, physisch und mental. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung als Mensch und auch als Yogalehrerin. 

Natürlich ist das Körperliche wichtig. Die oft einseitigen (sitzenden) Tätigkeiten fordern ihren Tribut und gezielte Übungen für Rücken und Schultern sind für die meisten Teilnehmer eine Wohltat. Aber wirklich wirklich notwendig ist diese Ruhe und Achtsamkeit, die der Übende auf der Yogamatte erfährt. Für viele Teilnehmer ist das der einzige Moment in der Woche , wo sie nicht erreichbar sind, wo das Mobiltelefon, Internet, E-Mails keine Rolle spielen. Wo nur Atemrhythmus und Körper wahrgenommen werden. Wir üben oft in Stille, ohne Musik, ohne Takt, um die Ruhe ankommen und wirken zu lassen.

 

Solltest du jetzt schon die Augen verdrehen bei dem Gedanken an Stille, Ruhe, langsames Üben :-), dann bist du vermutlich beim Yoga genau richtig :-) Es ist ein Weg, ein Prozess in die Ruhe zu kommen. Genau wie Arm-, Bein- oder Bauchmuskeln trainiert werden, so wird auch das "Zur-Ruhe-kommen-der-Gedanken" geübt. 

 

Falls du Yoga mal ausprobieren möchtest, gib dir Zeit. Entscheide nicht nach einer Stunde, ob Yoga etwas für dich ist oder nicht. Sei aufrichtig was das Gefühl in Sachen Lehrer, Raum und Gruppe angeht. Da gibt es große Unterschiede, die Ansprüche sind da sehr subjektiv. So kann dich die Stimme des Yogalehrers in den Wahnsinn treiben oder in eine tiefe Entspannung tragen :-) Such dir deine für dich passende Gruppe und probiere dich einige Male aus. Yoga muss wirken und es braucht Zeit. Ganz schnell wirst du vermutlich körperliche Veränderungen spüren, das Gefühl der Ruhe und Entspannung braucht manchmal länger. 

 

Ich wünsche dir, dass du dein Yoga findest, deinen Lehrer, deine Gruppe. Ich wünsche dir diese exklusiven Momente nur für dich, dieses Erleben von Ruhe und Entschleunigung. Diese Wahrnehmung, dass dich diese Ruhe stärkt und gelassener macht. Genau das wünsch ich dir.

 

"Man kann den Wert von Yoga nicht beschreiben, man muss ihn erfahren"

B.K.S Iyengar